katholische Kirche

katholische Kirche,
 
Selbstbezeichnung der vom Papst geleiteten christlichen Kirche, wobei das Attribut »katholisch« in ihrem theologischen Selbstverständnis begründet ist; ihre konfessionskundliche Bezeichnung ist römisch-katholische Kirche, unter der sie seit dem 2. Vatikanischen Konzil auch offiziell am interkonfessionellen Gespräch teilnimmt. Die katholische Kirche ist die größte christliche Kirche und zählt weltweit (2000) rd. 1 040 Mio. Mitglieder, darunter rd. 5 Mio. in den unierten orientalischen Kirchen, rd. 3,1 Mio. Maroniten und rd. 9,1 Mio. in den unierten Kirchen des byzantinischen Ritus (davon rd. 4,4 Mio. in der Ukraine). Die katholische Kirche ist territorial gegliedert in Patriarchate, Erzdiözesen, Diözesen, Apostolische Administraturen und Exarchate (der mit Rom unierten Ostkirchen) sowie Apostolische Vikariate und Präfekturen in Missionsgebieten. Die kleinste Struktureinheit bildet die Pfarrei.
 
 
Die katholische Kirche ist hierarchisch und episkopal verfasst. Die Grundlage ihrer inneren (Rechts-)Beziehungen bildet das katholische Kirchenrecht (für den lateinischen Ritus der Codex Iuris Canonici). Der Papst (seit 1978 Johannes Paul II.), Bischof von Rom und Haupt der Gesamtkirche, ist Träger des allgemeinen Jurisdiktionsprimates und (seit 1870) der unfehlbaren Lehrautorität in Glaubensfragen (Primat des Papstes; Unfehlbarkeit). Bei der Leitung der Gesamtkirche stehen ihm die Kardinäle (römische Kurie) und das Kollegium der Bischöfe (als Vorsteher der Ortskirchen) zur Seite, deren Einfluss mit der Schaffung der Bischofssynode durch das 2. Vatikanische Konzil wesentlich gestärkt worden ist. Als Vertretung der Gesamtkirche tritt das Bischofskollegium im Rahmen eines Konzils auf. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche manifestiert sich für den einzelnen katholischen Christen im Empfang der Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe, Ehe), unter denen Taufe und Eucharistie besondere Bedeutung zukommt. Durch das Weihesakrament sind die Kleriker von den Laien unterschieden. Die Zusammengehörigkeit aller kirchlichen Aufgabenfelder wird durch die Dreizahl »Liturgia« (Gottesdienst), »Martyria« (Verkündigung), »Diakonia« (Dienst am Nächsten in Kirche und Welt) oder die Zweizahl »Communio« (Gemeinschaft) und »Missio« (Sendung) bezeichnet. Diese Aufgabenbereiche beziehen sich nach katholischem Verständnis auf alle, die durch Glaube und Taufe »Glieder des Volkes Gottes« sind, und betonen so theologisch wie rechtlich die fundamentale Gleichheit aller Gläubigen vor allen anderen Unterscheidungen in der Kirchenverfassung.
 
 
Grundlage und Norm katholischen Selbstverständnisses ist zunächst die »Heilige Schrift« (Altes Testament und Neues Testament). Jesus Christus, als dessen maßgebendes Zeugnis das Neue Testament interpretiert wird, gilt als definitive Offenbarung Gottes und ist Mittelpunkt des katholischen Glaubens. Darüber hinaus legitimiert nach katholischem Verständnis das Neue Testament auch die Ausbildung der Kirche und ihrer Einrichtungen sowie ihren Anspruch auf (allein) verbindliche Auslegung der »Heiligen Schrift« durch das kirchliche Lehramt. Theologisch versteht sich die katholische Kirche als die heilige (von Jesus Christus gestiftete), apostolische (in der Nachfolge der Apostel stehende) und katholische (weltumspannende) Kirche. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist nach katholischer Auffassung heilsnotwendig (im traditionellen Sprachgebrauch »allein selig machend«). Der damit verbundene exklusive Anspruch der katholischen Kirche als der allein selig machenden Kirche wurde jedoch durch das 2. Vatikanische Konzil, dessen insgesamt 16 Dokumente die eingehendste amtliche Reflexion des heutigen Selbstverständnisses der katholischen Kirche darstellen, im »Dekret über den Ökumenismus« dahingehend modifiziert, dass auch nichtkatholischen Kirchen theologisch das Kirche-Sein zugesprochen wird als den »getrennten Brüdern«, die im Heiligen Geist an der einen christlichen Wahrheit und Heilszusage teilhaben.
 
Die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche in Afrika, Asien und Lateinamerika, wo rd. zwei Drittel aller katholischen Christen leben, ist nach wie vor durch große karitative, in einem neuen Maße aber auch durch theologische Herausforderungen (Kontextualisierung) geprägt. Faktoren, die die katholische Kirche in Westeuropa und Nordamerika maßgeblich beeinflussen, sind einerseits der gesellschaftliche Prozess der Säkularisierung und seine Folgen (»Entkirchlichung« weiter Teile der Gesellschaft; geringer werdender Einfluss der Kirchen im öffentlichen Bewusstsein u. a.), andererseits eine wachsende Zahl kritischer Laien in der Kirche, deren innerkirchliche Reformen anmahnende Anfragen an die »Amtskirche « (Rolle der Frau, Zölibat, Bewertung von Sexualität) u. a. die Grundlage der 1995 in Österreich und in Deutschland durchgeführten »Kirchenvolksbegehren« waren. Einen Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit in Mittel-, Südost- und Osteuropa bilden die Rekonstitution und Neuordnung der Organisationsstrukturen der katholischen Kirche in den ehemaligen kommunistischen Staaten, wobei den nach 1989 wieder errichteten unierten Kirchen in der Ukraine und in Rumänien besondere Bedeutung zukommt. Wachsende Bedeutung und päpstliche Förderung in der katholischen Kirche insgesamt haben in den letzten Jahrzehnten die neuen geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen erlangt. - Wichtige Ergebnisse der unter Beteiligung der katholischen Kirche geführten interkonfessionellen Lehrgespräche liegen in den seit 1971 mit den »prächalzedonensischen« (altorientalischen) Kirchen erreichten Übereinkünften über ein gemeinsames Verständnis der Christologie (zuletzt 1995 mit der Assyrischen [ostsyrischen] Kirche und 1996 mit der armenischen Kirche) und der 1999 unterzeichneten lutherisch-katholischen »Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre« (Rechtfertigung) vor.
 
 
Hb. der Kirchengesch., hg. v. H. Jedin, 10 Bde. (1962-79);
 
Mysterium Salutis. Grundr. heilsgeschichtl. Dogmatik, hg. v. J. Feiner u. a., 5 Bde. u. Erg.-Bd. (1965-81);
 
Hb. des kath. Kirchenrechts, hg. v. J. Listl u. a. (1983);
 
Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum, hg. v. H. Denzinger u. a. (Barcelona 371987);
 
Codex des Kanon. Rechts (31989);
 
Kleines Konzilskompendium. Sämtl. Texte des Zweiten Vatikanums, hg. v. K. Rahner u. a. (231991);
 
Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, hg. v. J. Neuner u. a. (131992);
 
Ecclesia Catholica: Katechismus der k. K. (1993);
 
Lex. für Theologie u. Kirche, begr. v. M. Buchberger, hg. v. W. Kasper u. a., auf mehrere Bde. ber. (31993 ff.);
 
Das Neue wächst. Radikale Veränderungen in der Kirche, hg. v. O. Fuchs u. a. (1995);
 H. Kirchner: Die römisch-kath. Kirche vom II. Vatikan. Konzil bis zur Gegenwart (1996);
 
Die k. K. u. das neue Europa. Dokumente 1980-1995, hg. v. J. Schwarz (1996);
 
Kirche u. Katholizismus seit 1945, hg. v. E. Gatz, auf 4 Bde. ber. (1998 ff.).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
katholische Kirche im Zeitalter von Revolution und Säkularisation
 
katholische Reaktionen auf die soziale Frage: »Nach Neuerungen begierig«
 
Kirchen unter totalitärer Gewaltherrschaft: Im Kampf ums Überleben
 
Liturgische Bewegung und Laienbewegungen: Impulse zur geistlichen Erneuerung des Katholizismus
 

Universal-Lexikon. 2012.

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